Konfirmation in Australien: Kritisches Denken und neue Freundschaften

Konfirmation – ein bewusstes Ja zur Taufe

Bewusst “Ja” sagen zur eigenen Taufe – dieser Gedanke liege der Konfirmation in der evangelischen Kirche zu Grunde, erläutert Matthias Kunze, Pastor der deutschen evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeitsgemeinde in East Melbourne. Das macht Sinn, denn wer als Baby, vom Taufpaten gehalten, das Taufwasser über das Köpfchen geträufelt bekommt, hat zumeist wenig mitbekommen von dem in der christlichen Kirche wichtigen Akt – der Handlung, mit dem der neue Weltenbürger in die Gemeinde aufgenommen wird. Und mit darüber entschieden, ob er das auch wirklich will, hat der Täufling zu dem Zeitpunkt wohl kaum. Daher die zweite Gelegenheit – diesmal mit Entscheidungsbefugnis und vollem Bewusstsein der Bedeutung – und zwar nicht mit 16 oder 18, sondern mit 14 Jahren.Konfirmanden der deutschen, evangelisch-lutherischen Kirche

Traditioneller Übergang in die Erwachsenenwelt

Dass genau in diesem Alter die Konfirmation stattfinde, stamme noch von früher, aus einer Zeit, in der man mit 14 seine Lehre begonnen habe, meint Pastor Kunze: “Die Konfirmation war ein Ritus, der gleichzeitig den Übergang in die Erwachsenenwelt markierte.” Schmunzelnd fügt er hinzu, dass es ebenfalls ein Alter sei, in dem man oft alles andere als Konfirmandenunterricht im Kopf habe, meint jedoch: “Ungünstig, aber normal.” In Australien wohl ebenso wie in Deutschland.

Wenn sich die Länge des Unterrichts in beiden Ländern auch unterscheide – in Deutschland dauert der Konfirmandenunterricht zwei Jahre, in Australien lediglich ein Jahr – die Pflicht zum Gottesdienstbesuch und die Inhalte sind die gleichen.

Kritische Diskussionen: Gottesbilder, aktive Sterbehilfe, Abtreibung

Und die wären? Endloses Auswendiglernen der Zehn Gebote und deren Erläuterungen, wie es die meisten Erwachsenen von früher kennen? Pastor Kunze lacht: “Nein, nicht die Zehn Gebote. Die werden auch besprochen und zwar daraufhin, was sie heute für uns bedeuten. Aber stur auswendig gelernt werden sie nicht.” Es gehe um das Leben von Jesu von Nazareth, um die Bücher der Bibel und die eigene Gemeinde. Und um kritische Diskussionen wie etwa über das Gottesbild, davon gäbe es nämlich viele unterschiedliche und nicht nur eines, sagt Kunze. Ebenso werde das Menschbild hinterfragt, der eigene Lebensentwurf, die eigenen Werte. Ganz aktuell: Wie stehe ich zur aktiven Sterbehilfe oder zur Abtreibung?

Darin, dass in Melbourne alle Themen im Schnelldurchgang behandelt werden müssen, sieht der Vater von fünf Kindern kein Defizit: “Meine letzte Konfirmandengruppe war sehr patent. Mit sechs Interessierten kann ich manchmal mehr schaffen als mit 20, bei denen ich ständig aufpassen muss, dass sie keinen Blödsinn machen.”

Viel Spaß und eine festliche Atmosphäre

Maxine Stenford und Monika Hendrix

Maxine Stenford gehörte der Gruppe der diesjährigen Konfirmanden an. Ihr hat der Konfirmandenunterricht sehr gut gefallen. Die Vierzehnjährige wurde im Mai 2010 konfirmiert: „Die monatlichen Treffen waren immer sehr schön. Wir haben uns in der Gruppe gut verstanden und die Konfirmandenfreizeit hat mir besonders gut gefallen!” Die Konfirmation selbst sei dann wirklich sehr aufregend gewesen, so die gebürtige Hamburgerin: „Wir haben ein neues festliches Outfit gekauft. Bevor wir die Kirche betreten durften, haben wir mit den Kirchvorständen gebetet und wurden dann konfirmiert.”

Nach den Feierlichkeiten in der Kirche ging es für Maxine mit ihrer Familie und Freunden nach Hause, um diesen besonderen Tag zu feiern. Sie wurde – anders als in Deutschland – mit einer Menge Geschenken überhäuft, ohne jedoch Geld geschenkt zu bekommen: „Meine Oma hat mir 20 Dollar gegeben, aber alle anderen Geschenke waren richtige Dinge, damit man sich an diesen Tag erinnert, wenn man sie ansieht.”

Monika Hendrix, Maxines Mutter, war von der Konfirmation ebenso angetan: “Die Atmosphäre war außerordentlich festlich und berührend. Wunderschön!” Die Hamburgerin war auch schon in Deutschland in der Kirche aktiv: „Da wir hier in der Kirche viel tun, gehörte Maxines Konfirmation einfach dazu.”

Byron Tabet: Am Ende war es schade, dass es vorbei war

Auch Byron Tabet blickt gern auf seine Zeit als Konfirmand in der Dreifaltigkeitsgemeinde zurück. Joachim von Mitzlaff, Byron Tabet: Konfirmiert in der deutschen, evangelisch-lutherischen DreifaltigkeitsgemeindePastor der Gemeinde bis 2009, hat den mittlerweile 16jährigen vor zwei Jahren eingesegnet. Und das mit Freunden, die er während des Konfirmationsunterrichts kennengelernt, Freundschaft geschlossen und heute noch Kontakt hat.

Der Anstoß sich konfirmieren zu lassen, sei von seinem Vater und seiner Mutter ausgegangen, erinnert sich Byron. “Aber ich hab´ nichts dagegen gehabt. Ich bin irgendwie schon christlich und es hat ja viel Spaß gemacht. Am Ende war es schade, dass es vorbei war”, sagt er und rekapituliert: “Wir haben über die Lesungen im Gottesdienst gesprochen und darüber, was sie bedeuten, und viel über das Leben von Jesu Christus.” Ebenso wie Maxine hätten ihm besonders die gemeinsamen Freizeiten gefallen, während denen der Rowviller auch gleichaltrige Gleichgesinnte aus der Schwestergemeinde Springvale kennenlernte. Übrigens gab´s bei den Freizeiten neben dem Unterricht auch ausreichend Zeit fürs Fußballspielen und Radfahren.

Unter seinen australischen Freunden sei er übrigens nicht der einzige gewesen, der sich auf das christliche Fest vorbereitet und es gefeiert habe. “Die United Church, die hier sehr verbreitet ist, macht ja auch eine Art Konfirmation”, weiß er.

Anmeldung für das neue Konfirmandenjahr

Da jedes Jahr mehrere Jahrgänge zu einer Gruppe zusammengefasst werden, waren die jüngsten Konfirmanden 2010 zwölf Jahre alt. Es sind noch Plätze für den neuen Turnus frei und Pastor Matthias Kunze freut sich schon jetzt auf neue Anmeldungen. Er wird auch gemeinsam mit der Gemeindepädagogin Friederike Keller eine neue Gruppe für bereits konfirmierte Jugendliche einrichten, die im Oktober beginnen soll – auf Wunsch von ehemaligen Konfirmanden übrigens.

Interessierte Eltern können Matthias Kunze am besten per E-Mail erreichen: pastor@kirche.org.au. Wenn sich ausreichend viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer finden, wird der Unterricht im Oktober 2010 beginnen.

Mehr Informationen über die deutsche, evangelisch-lutherische Dreifaltigkeitsgemeinde gibt es auf www.kirche.org.au .

Interviews: Claudia Raab und Lea Borgmann

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